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Neuerdings regt sich die Meinung, dass Köthen für Bach der Ort gewesen sei, wo er, nach Weimar, alle Arten und „Stile" an (ihm bis 1716 noch nicht bekannt gewordener) italienischer und französischer Musik um sich herum finden, überschauen und sie seinem aus deutschen Traditionen gewachsenen Wesen einschmelzen konnte. Ein bedeutender Musikalienbestand hatte den Ruf des Musenhofes Köthen bereits begründet, als Bach im Rahmen der Hochzeit des jüngeren Weimarer Herzogs Ernst August mit der Schwester des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen mit letzterem bekannt wurde. Jean Baptiste Lully, Francois Couperin, Arcangelo Corelli, Antonio Caldara, Reinhard Augustin Stricker, Jean Baptiste Volumier , Johann David Heinichen, die Den Haager und venezianischen Opernbühnen sind die Gewährsleute bzw. Gewährsorte, mit denen sich das Wachstum des musikalischen Verständnisses des anhalt-köthnischen Musenfürsten verbinden lässt. Wie viel genauere Kenntnis davon, wie auch von der Köthener Musizierpraxis während und nach Bachs hiesiger Amtszeit wäre uns eröffnet, hätten im Jahre 1729, bei einer Inventarisation des Schlosses, die Inventarisierer – drei Bernburger Advokaten – ihre sonst häufig zu beobachtende Sorgfalt auch bei der Durchsicht der Musikalien walten lassen! So aber wissen wir nur pauschal von „Italiänischen, Frantzosischen und anderen Musicalia", die sich im Kleinen Saal im Torhaus und in der Musikkammer befunden haben. Wir erfahren ferner von 31 Musikinstrumenten, die es zu diesem Zeitpunkt im Schloss Köthen gab: Das für Bach vermutlich wichtigste schaffte er selbst 1719 aus Berlin herbei: das zweimanualige, große Cembalo Michael Miethkes. Außer dem verlockenden Spitzenamt, und mehr noch als Musikalien- und Instrumentensammlung begründeten die hier musikalisch Tätigen das Interesse des 32jährigen Bach an Köthen: an der Spitze Fürst Leopold; dann die erlesenen Musiker der ehemaligen Berliner Hofkapelle König Friedrichs des I, „in" Preußen, die ab November 1713 hierher kamen, sowie Christian Ferdinand Abel aus Hannover. Die vokalistische Seite von Kantatenaufführungen sicherten Anna Magdalena Wilcke (ab 1720?), die Singejungfern Monjou (ab Frühjahr 1721) und glänzende Gäste wie der Bassist Riemenschneider (1718/19). Überhaupt blieben gastierende Musiker von nicht nur episodischer Bedeutung. Sie waren mitunter monatelang beschäftigt. Selbst die „Amusa" Bachs, die „berenburgische Princessin" gehörte auf ihre Weise zu den musikalisch Tätigen. Seit kurzem lassen sich in ihrem Nachlass Zeugnisse eines entsprechenden Interesses belegen.
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