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Zu einer Stätte des Musizierens wurde der Köthener Hof vor allem durch höfische Festlichkeilen. Die Hochfürstlichen Geburtstage und das Neujahrsfest bildeten gleichsam das „Gestänge", welches die Girlanden musikalischer Zelebrationen trug. Sie bildeten den Anlass für fürstliche Besuche und Gegenbesuche, die jene Ereignisse wie mit einer zweiten Kette artig-zeremoniellen Kommens und Gehens umrankten. Auch lagen Fürst Leopolds (und Bachs) Hochzeiten in dieser spätherbstlichen, in der Advents- und frühen Winterszeit. Die milden Jahreszeiten gehörten oft eigenen Reisen des Fürsten, die den jungen, kränkelnden Mann dreimal nach Karlsbad führten. Von der Sommerfrische im Jagdhaus Diebzig erhoffte Fürst Leopold wohl auch manche Besserung für sich und seine nicht weniger kranke, junge Gemahlin. Vergebens, denn ihr blieb nur ein einziger Ehe-Sommer, geprägt von Schwangerschaft. Mit ihrem Tod war es auf Monate um Leopold geschehen. Und Bach widerrief seine schon für Leipzig getroffene Entscheidung nicht mehr. Im September, seltener im August, pflegte die „Konzertsaison" zu beginnen. Als musikalisch bedeutsamste Besuche müssen wohl die des Herzogs Friedrich Ludwig von Württemberg (1718/19) sowie die mehreren Besuche des Weimarer Herzogs Ernst August, Leopolds Schwager gelten (1720/21, 1721), von der Seite der ausübenden Musiker her die Besuche des Düsseldorfer Lautenisten Johann Sigismund Weiß (1718), der Konzertmeister Lienigke (aus Merseburg) und Vogler (aus Weimar). Ein eigenes kompositorisches Schaffen lässt sich inzwischen für mindestens drei Kapellmitglieder nachweisen: für den Konzertmeister Joseph Spieß, für den Flötisten Johann Heinrich Freitag und für den Organisten/ Tastenspieler Christian Ernst Rolle. Die Diskussionen um den Umfang des Köthener Schaffens von Johann Sebastian Bach werden durch die schlechte Überlieferung stark behindert. Wenn schon die Quellenlage eng als direkte Widerspiegelung des Schaffens verstanden wird, dürfen die rekonstruierten Frühfassungen ansonsten nach Leipzig zu setzender Orchesterwerke nicht vergessen werden. Die Köthener Schreiber/Kopisten nur in Abschrift überlieferter Bach'scher Werke sind nach wie vor nicht identifiziert. Und sie sind auch nicht identifizierbar, solange keine anderweitigen Schriftstücke von deren Hand gefunden werden. Der Tastenspieler Bach hatte in Köthen zweifellos Freiräume. Daß er die Chaconne (BWV 1004) über einer gematrischen Matrix als ein musikalisches Tombeau aufgebaut hat, gelangt als ein jüngster Fund in die Diskussion über den „Köthener Bach". Die Zeit bis zum Tode Fürst Leopolds dürfte von zum Teil unbekannt gebliebenen Bindungen Bachs an Köthen geprägt gewesen sein. Hieran lassen u. a. die Honorarsummen für die Köthener Aufführungen Bachs denken (besonders aufwendig die der Trauermusik für Leopold, März 1729), die insgesamt einem Jahresgehalt der Hofkapellmeisterzeit nahe kamen. Keine positiven Auswirkungen auf die höfische Musikausübung hat der langwährende, schon kurz nach Regierungsantritt Fürst Leopolds im August 1716 einsetzende Hausstreit gezeitigt, der zur Landesteilung führte. Das Amt Nienburg entging mit seinen Einnahmen der Nutzung durch den Fürsten, da gegen ihn dessen Mutter Gisela Agnes frühzeitig Front machte. Eine der ersten Amtshandlungen des auf einen unbedingt monarchischen Staat sehenden Leopold war die Entlassung des vordem allmächtigen „Ministrissimus" Wilhelm Heinrich v. Rath gewesen, des Bruders der Fürstinmutter. Eine starke Hofpartei lutherischer Adeliger war damit „enthauptet" worden. Aber auch das Amt Warmsdorf verlor Leopold. Dort durfte sein Bruder August Ludwig nach Vergleich, für den sogar der Reichshofrat in Wien bemüht worden war, das Sekundogenitur-Fürstentum Anhalt-Köthen-Warmsdorf gründen, Residence machen, sowie die Amtseinnahmen zurück halten
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