Bach in Köthen

Johann Sebastian Bachs hiesiges Hofkapellmeisteramt hat Köthen zu einer Terra sacra der Musikgeschichte gemacht. Wie er sich hier befand, wie es kam, dass er hier ursprünglich seine Lebenszeit verbringen wollte, wie es dann anders kam, wie er überhaupt auf Köthen kam – das sind Fragen, die immer wieder gestellt werden. Auch über den Umfang des in Köthen geschaffenen Bach'schen Werkes gibt es neu entbrannte Auseinandersetzungen. Sogar auf die Brandenburgischen Konzerte, die im datierten Autograph vorliegen, bezieht sich eine solche Debatte. Zum sicheren Köthener Bestand gehören – um eine Auswahl zu nennen – die Sonaten und Partiten für Violine allein, die Suiten für Violoncello solo, Französische und Englische Suiten, das Wohltemperirte Clavier I. Die Cembalo-Konzerte sind, wie die meisten Werke Bachs, hinsichtlich der an ihrer Entstehungsgeschichte beteiligten Rezeption anderer Musik noch immer nicht vollständig erörtert. Bachs Wort von einem „Music so wohl liebenden als kennen- den Fürsten", noch 1730 geprägt, zeigt den Aufbau der Köthener Hofmusik, in den Bach 1717 eintrat, als ein gewichtiges Vorhaben. Wie kam Bach nach Köthen? Bald nach dem Tode des sachsen-weimarischen Kapellmeisters Johann Samuel Drese (Ende 1716) erkannte der Konzertmeister Bach, 3. Mann in der Hierarchie der Hofkapelle, für sich erneut die Aussichtslosigkeit, einen Karrieresprung zu tun. Sein eigentliches Ziel – das musikalische Spitzenamt – war an dem Weimarer Hof des Herzogs Wilhelm Ernst nicht zu erreichen. Vakante Hofkapellmeisterämter hatten die Höfe in Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen, Sachsen-Gotha aufzuweisen. Aber attraktiver erschien es Bach, die Nachfolge des Reinhard Augustin Stricker am Fürstenhof Anhalt-Köthen anzutreten. Fürst Leopold lockte ihn förmlich herbei. Für Bach war das freilich in einem doppelten Sinne „Ausland": Es war nicht Thüringen bzw. „Sachsen", und es war ein reformiertes Fürstenhaus, dem er hier diente. Dennoch wagte Bach in Weimar „halsstarrig" ein gerüttelt Maß an Insubordination. Und noch 1730 sprach er aus, daß er ursprünglich in Köthen hatte bleiben wollen.